start:

Semantische Web-Marktforschung

Die verlorengehende Demokratie

oder

Wie bewerten im Web vertretene Wähler die politischen Standpunkte der ihnen nahestehenden Parteien?

Längst geht es in der Politik nicht mehr um solch grosse und die Parteien unterscheidende Fragen, wie es noch in den 50er und 60er Jahren oftmals der Fall war. Heute haben die Wähler zwischen zahlreichen Standpunkten und Haltungen diejenigen Parteien zu finden, die ihren Standpunkten insgesamt am meisten entsprechen.

Der Durchschaubarkeit der Parteienlandschaft wirkt entgegen, dass die Parteien, selbst aus Sicht ihrer eigenen Wähler, oft nur unbefriedigend dafür einstehen, wofür sie nach Verständnis ihrer Wähler in ihren Programmen und Aussagen stehen. Missverständnisse zwischen Gewählten und Wählern als Folge von kaum verständlichen Formulierungen in den Parteiprogrammen können als eine der möglichen Quellen der Unzufriedenheiten von Wählern mit ihren Parteien angenommen werden. Somit macht es Sinn, die Parteien nach denjenigen Themen zu charakterisieren, welche sie tatsächlich aus der Sicht ihrer Anhänger am zufriedenstellendsten vertreten.

Relative Häufigkeit der Äusserungen

Themenrelevanz
Web-Authoren schreiben aus extrinischer, etwa als Journalisten, oder aus intrinischer Motivation heraus Kolumnen, Blogs und Kommentare in Web- News, Foren, Blogs und WebSeiten. Sie sind im Durchschnitt vernetzter, jünger und gebildeter als der Durchschnitt der Bevölkerung, und entsprechen damit in diesen Eigenschaften gesellschaftlichen Gruppen, die in politischen Aussagen häufig als die "Zukunft Deutschlands", und im Marktforschungs-Umfeld als Trendsetter und als empfehlungs- und entscheidungs-relevantes "Nahumfeld", bezeichnet werden. Nicht überraschend, dass für diese Population die Relevanz der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Grundsatzpositionen und mit Themen der Bildungspolitik hoch ist. Auch wenn sie in dieser relativen Gewichtung nicht repräsentativ sind, ist davon auszugehen, dass Ihre Einstellungen in die Gesellschaft einfliessen, und damit auch einen Blick in die Zukunft erlauben. Die meisten Äusserungen gab es zur SPD (knapp 700'000), die Wenigsten zur Linken (knapp 400'000). Darunter erregen in erster Linie die Haltungen der Parteien zu Fragen der Demokratie, zu den Managergehältern, den Menschenrechten, den Atomkraftwerken, dem EU-Beitritt der Türkei, sowie zur Bundeswehr in Afghanistan, Unzufriedenheit. Die mit grossem Abstand am meisten Unzufriedenheit auslösenden Themen betreffen das Verhältnis zu Managergehältern und das Verhältnis der Parteien zur Demokratie. Insbesondere das sich hinter Letzterem ausdrückende, sich von den Partei-Positionen unterscheidende, Demokratie-Verständnis der Web-Population, wie es sich bereits in dem Zuwachs und Positionen der Piraten-Partei zeigen dürfte, drückt ein wichtiges Zukunftsthema aus, und sollte den Parteien zu denken, sowie Anlass zu weiteren Auseinandersetzungen damit, geben.

Die beiden Bundestags-Parteien, die sich in der Relevanz der Themenzufriedenheit aus Sicht ihrer Anhänger untereinander am meisten ähneln, und damit am stärksten konkurrenzieren, sind, noch vor CDU und SPD, die Linke und die FDP - mit meist gegensätzlich positionierten Lösungsansätzen. Als die beiden Parteien, die sich am wenigsten gleichen, und die sich in diesem Sinne am breitesten ergänzen könnten, zeigen sich die CDU und die Grünen.

Die folgende Grafik zeigt die Themen gewichtet nach statistischer Bedeutungsstärke (Signifikanz), sowie absteigend sortiert nach der Gesamt-Zufriedenheit über alle untersuchten Parteien. Balken rechts von der Null-Marke drücken die statitische Relevanz der Zufriedenheit; und diejenigen links davon die der Unzufriedenheit aus:

Stärken Schwächen Profil der Parteien

Eine aus Sicht der WebCommunity optimale Partei würde also in der Frage der Managergehälter, des Mindestlohns, der Menschenrechte und der sozialen Gerechtigkeit die Position der Grünen, bei der Frauenquote und Bahnprivatsierung die Position der SPD, und bei den Studiengebühren und Atomkraftwerken die Position der Linken, wie jeweils von ihren Anhängern verstanden, vertreten. Die jeweils höchsten Zufriedenheits-Bewertungen zu ihren Haltungen erhielten die jeweiligen Parteien in diesen Punkten - und wenn keine der Parteien einen Zufriedenheits-Wert über Null erhielt, wird dies durch ein '-' ausgedrückt :

Verbot von Rüstungsexporten: 
Die Grünen
Online-Durchsuchung: 
CDU, SPD
Unternehmenssteuern senken: 
CDU
Praxisgebühr abschaffen: 
CDU
Frauenquote: 
SPD
BAföG: 
Die Grünen
Studiengebühren: 
Die Linke
Kündigungsschutz lockern: 
Die Linke
Bahnprivatisierung: 
SPD
Atomkraftwerke: 
Die Linke
Mindestlohn: 
Die Grünen
Menschenrechte: 
Piratenparte
Volksentscheide: 
CDU
Vermögenssteuer einführen: 
Die Linke
Demokratie: 
Piratenpartei
Tempolimit: 
Die Grünen
Bundeswehr in Afghanistan: 
FDP
Christliche Werte: 
-
Bundeswehr im Innern: 
FDP
Kommunales Wahlrecht für alle: 
SPD
Wiedereinführung der D-Mark: 
-
Ökologische Landwirtschaft: 
-
Betreuungsgeld: 
SPD
EU Beitritt der Türkei: 
SPD
Wehrpflicht abschaffen: 
-
Ausbildungsplatzgarantie: 
-
Verbot von Tierversuchen: 
-
Bildungspolitik Ländersache: 
Die Linke
Sprachtests für Kinder: 
-

Empfehlungen an die Parteien, aus Sicht der ihnen jeweils nahestehenden WebCommunities:
Die CDU sollte nach den Ergebnissen dieser Studie ihre bisherigen Argumentationen, Positionen oder Taten bezüglich ihrer Bildungspoliitik, der Managerlöhne, des Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan, der Ausbildungsplatzgarantie, dem EU-Beitritt der Türkei zur EU, der Abschaffung der Wehrpflicht, sowie des Einsatzes der Bundeswehr im Inneren überdenken.
Die SPD sollte ihre bisherigen Argumentationen, Positionen oder Taten bezüglich der Ausbildungsplatzgarantie, des Einsatzes der Bundeswehr im Inneren, dem Tempolimit, den Atomkraftwerken, der sozialen Gerechtigkeit, den Mangergehältern und dem Mindestlohn überdenken.
Die FDP sollte ihre bisherigen Argumentationen, Positionen oder Taten bezüglich ihrer Nildungspolitik, des Verbots von Tierversuchen, dem Betreuungsgeld, der Ausbildungsplatzgarantie, dem EU-Beitritt der Türkei zur EU, dem Tempolimit, dem kommunalen Wahlrecht für alle, den christlichen Werten, und der ökologischen Landwirtschaft überdenken.
Die Grünen sollten ihre bisherigen Argumentationen, Positionen oder Taten bezüglich des EU-Beitritts der Türkei zur EU, der ökologischen Landwirtschaft, der Abschaffung der Wehrpflicht, des Verbots von Tierversuchen, der Bildungspolitik, dem Betreuungsgeld, dem kommunalen Wahlrecht für alle, und dem Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan überdenken.
Die Linken sollten ihre bisherigen Argumentationen, Positionen oder Taten bezüglich eines Verbots von Tierversuchen, des EU-Beitritts der Türkei zur EU, dem kommunalen Wahlrecht für alle, der Abschaffung der Wehrpflicht, dem Betreuungsgeld, dem Tempolimit, den christlichen Werten, der ökologischen Landwirtschaft, sowie bezüglich des Einsatzes der Bundswehr im Inneren überdenken.

Die folgenden Grafiken zeigen die Zufriedenheit (Werte über Null) oder Unzufriedenheit (Werte kleiner als Null) mit den jeweiligen Parteien für ihr Einstehen zu den genannten Themen. Ein Wert von '+1' drückt eine 100%-ige Zufriedenheit, und ein Wert von '-1' eine 100%-ige Unzufriedenheit aus. Bitte beachten Sie, dass hinter den mit Stichworten bezeichneten Standpunkten jeweils unterschiedliche Haltungen der jeweiligen Parteien stehen.

Zufriedenheit mit den Standpunkten der CDU

Zufriedenheit mit den Standpunkten der SPD

Zufriedenheit mit den Standpunkten der FDP

Zufriedenheit mit den Standpunkten der Grünen

Zufriedenheit mit den Standpunkten der Linken

Zufriedenheit mit Piratenpartei

Die Daten entstammen einer, von artebis am 15.09.2009 im Eigenauftrag durchgeführten, semantischen Web-Marktforschungs-Analyse über jeweils, pro Partei, zwischen 390- und 690-Tausend ausgewerteten Web News, Foren, Blogs und WebSeiten -Einträgen.