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Semantische Web-Wahlforschung


Die folgende Grafik zeigt die den Parteien zuordbare Meinungsverteilung im Internet vor den Bundestagswahlen 2009. Die für den Wahlausgang noch bedeutendere Frage nach den Möglichkeiten der Parteien zur Koalitionsbildung wird darauffolgend beantwortet.
Die Längen der Farbbalken in der Grafik reflektieren die Anteile positiv bewertender Übereinstimmungen, welche Meinungsbildner der WebCommunity (Foren-, Blog-, WebSite-, News- Autoren) mit dem Auftreten und Äusserungen der poitischen Parteien in den jeweils angegeben Zeiträumen verbinden. Die Auswertung beruht pro Zeitpunkt auf jeweils mehr als 6000 berücksichtigten Web-Dokumenten. Die erfassten Zeiträume umfassen jeweils sieben Tage (vor dem 1. März jeweils einen Monat), bis einschliesslich des angegeben Datums (inklusive des Wochenendes). Die Daten sind typischerweise um drei bis sieben Tage aktueller als die der zeitgleich publizierten Trendumfragen der grossen Umfrageinstitute.

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Wahlprognose, abgeleitet aus den Ergenissen der Web-Forschung:
Sicher scheint, dass die 'kleineren' Parteien gewinnen, und die Grossen bei dieser Bundestags Wahl verlieren werden. Die Bewertung von CDU/CSU und von SPD war im letzten Jahr noch nie so negativ wie in der letzen Woche vor der Wahl. Als sehr wahrscheinlich einzuschätzen ist auch, dass es eine Zwei-Parteien Regierung geben wird (s.u.) - mit Überhangs-Mandaten-Vorteil für schwarz-gelb, und mit Stimmen- Vorteilen zugunsten der Fortsetzung der grossen Koalition, zumal die Bewertung des rot-rot-grünen Meinungsspektrums im letzten Jahr nie so positiv war wie in den letzen vier Wochen vor der Bundestagswahl.
Ginge es allein nach dem im Web vertretenen Meinungsbild positiver Bewertungen, und ginge es bei dieser Wahl nur nur um die Neigung, könnten vor allem die Grünen (Potential bis zu 23%) als Überraschungsgewinner der Bundestwahlen 2009 dastehen. Allerdings: Für taktisch wählende Wähler, die auch die möglichen Koalitionsbildungen im Blick haben (CDU und SPD, oder CDU und FDP, s.u.), und dabei auf eine wahrscheinliche Zwei-Parteien-Regierung setzen - und der Anteil dieser Wähler kann bei dieser Wahl als hoch eingeschätzt werden - , dürften FDP und SPD die weitaus attraktiveren Wahlkandidaten sein, so dass die Grünen ihr in der Grafik abgebildetes "Neigungs-Wahl-Potential" bei der Bundestagswahl voraussichtlich bei Weitem nicht werden ausschöpfen können, und noch von der Linken überholt werden könnten.
Interessant wird auch das Abschneiden der Piratenpartei sein, die, wie hier gezeigt, von den, insbesondere von jungen Wählern empfundenen Demokratie-Defiziten der 'Alt-' Parteien profitieren, und auf über 1% Stimmenanteil kommen könnte.

Bundestagswahlen 2009

Anmerkungen:

21. - 27.09.09: Die letzte Woche vor den Wahlen ...
20.09.2009 : Sonderparteitag der FDP
13.09.2009 : TV-Duell zwischen Angela Merkel und Franz Walter Steinmeier
30.08.2009 : Landtagswahlen in Saarland, Sachsen und Th|ringen
14.06.2009 : Ausserordentlicher Parteitag der SPD
07.06.2009 : Europa- und Kommunalwahlen
17.05.2009 : Parteitag der FDP
10.05.2009 : Parteitag der Grünen
19.04.2009 : Parteitag der SPD
28.02.2009 : Parteitag der Linken
05.12.2008 : Parteitag der CDU
26.10.2008 : Parteitag der CSU

Wie steht es um die Koalitionsmöglichkeiten der Parteien? Ist die SPD noch eine Volks-Partei? Und ist die FDP auf dem Weg dazu?

Juni / August / September 2009: Wie definiert man eine Volkspartei? Historisch gesehen, ist die SPD unstrittig eine Volkspartei. Definiert man eine Volkspartei allerdings danach, wie gross ihr Anteil an dem von den im Bundestag vertretenen Parteien reprasentierten Meinungsspektrums zu einer bestimmten Zeitphase ist, dann lag die SPD im Juni, unter der Annahme, dass das Internet dieses Spektrum widerspiegelt, nach CDU und der FDP, auf der Ebene von Bundestag, Fraktion, Landes- und Kreisverbänden, lediglich auf dem dritten Platz. Mit der näherkommenden Bundestagswahl erwies sich das als ein ziemlich ausgeglichenes Kopf-an-Kopf Rennen zwischen SPD und FDP, mit leichten Vorteilen zugunsten der SPD:

Inhaltliche Gemeinsamkeiten der Bundestags-Parteien, jeweils mit den anderen genannten Parteien
Position 11. Juni 2009 28. August 2009 25. Sept. 2009
1 CDU/CSU : 45% CDU/CSU : 41% CDU/CSU: 35%
2 FDP : 21 % SPD : 20% SPD: 19%
3 SPD : 19 % FDP : 18% FDP: 18%
4 Grüne : 9% Linke : 11% Linke: 12%
5 Linke : 6% Grüne : 10% Grüne: 11%
6     NPD: 4%
7     Piratenpartei: 1%

Auch wenn die oben gestellten Fragen erst nach Beobachtung einer längeren Zeitphase beantwortbar sind: Dieses Maß der inhaltlichen Übereinstimmung lässt sich als Ausdruck der Koalitions -Vorstellbarkeit aus Sicht der WebCommunity, und in diesem Sinne einer erwünschten zukünftigen Regierungsbeteiligung der jeweiligen Partei, aus derzeitiger Sicht, interpretieren.

Vermutlich die programmatische Offenheit des Wahlkampfs von Angela Merkel machte die CDU/CSU zur Partei mit den mit Abstand höchsten inhaltlichen Übereinstimmungen mit allen anderen im Bundestag vertretenen Parteien. Auch wenn diese mit dem Herannahen des Wahltermins, und dem damit verbundenen Profilierungsdruck der Parteien, im letzten Vierteljahr vor der Wahl abnahm, blieb dies bestehen. Nimmt man die Regierungsbeteiligung von CDU/CSU nach der nächsten Bundestatgswahl als gegeben an, dann lagen die Chance der FDP zu einer Regierungsbeteilgung im Juni noch bei 38%, und die der SPD bei 35%. Bis zu den Landtagswahlen im August, nach den zunehmenden programmatischen Abgrenzungen von CSU und FDP, reduzierte sich die Wahrscheinlichkeit einer Regierungsbeteiligung der FDP auf Bundesebene, aus Sicht der Gemeinsamkeiten, um 7% auf 31%, und reduzierte sich damit um fast ein Fünftel, wähend die der SPD auf 34% stiegen. In der letzten Woche vor den Wahlen liegen FDP und SPD gleichauf mit jeweils 32%.

Auch wenn die Wahrscheinlichkeit einer Zwei-Parteien Regierungsbildung (CDU/CSU mit der SPD, oder mit der FDP) im nächsten Bundestag von 66% auf 58% abnahm, ist und blieb die Zwei-Parteien Lösung, nach den ermittelten inhaltlichen Anknüfpfungsmöglichkeiten zwischen den Parteien, die mit Abstand vorstellbarste Ausgangs-Variante der Bundestags Wahl 2009.

Die Daten zu den inhaltlichen Übereinstimmungen entstammen aus von artebis am 11.06.09, 28.08.2009 und 21.09.2009 im Eigenauftrag durchgeführten, semantischen Korrespondenz-Analysen über jeweils insgesamt mehr als 12.5 Millionen Web News, Foren, Blogs und WebSeiten -Einträgen.